Sophia-Maria Antonulas

Interview: Sophia-Maria Antonulas

Die gebürtige Wienerin ist Radfahrerin aus Leidenschaft und auch für ihren Weinverkauf in Berlin nutzt sie ein Lastenrad. Und zwar ein besonders schönes aus den 30er-Jahren mit einem Aufbau aus Holz. Auch sonst setzt sie sich für die Nutzung des Fahrrads ein. Für den ADFC leitet sie das Programm „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“. Das Radfahren liegt ihr schon lange am Herzen. Sie gründete „I Bike Berlin“, ein Unternehmen, das nachhaltige und faire Fahrrad-Accessoires verkauft. Inzwischen hat sie sich von dem Label getrennt und widmet sich mehrheitlich innovativen Konzepten rund ums Thema Fahrrad.

Frage: Wieso spielt Radfahren und das Fahrrad für Dich eine so große Rolle?
Es gibt für mich keine bessere Art, um von A nach B zu kommen. So ganz nebenbei verschafft es mir Bewegung. Ich tue also etwas für meine Gesundheit, trage zum Klimaschutz bei, nehme die Stadt wahr und fühle den Wind im Haar. Außerdem sind Fahrräder richtig schick.

Frage: Was hat Dich dazu gebracht, Dich so fürs Radfahren einzusetzen?
Schon in Wien und selbst in Atlanta und New York bin ich viel geradelt. Und in Berlin war das Fahrrad immer mein Fortbewegungsmittel Nummer eins. Als ich 2010 gemeinsam mit meinem Mann die Online-Weinhandlung Veltliner & Co. gründete, war klar, dass wir nicht zum motorisierten Lieferverkehr in Berlin beitragen wollen. Und so lieferten wir von Anfang an mit dem Fahrrad aus. Je mehr man hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, desto klarer wird einem, dass da noch viel Verbesserungsbedarf herrscht und viel mehr für Radfahrende getan werden muss.

Frage: Warum ist eine spezielle Frauenperspektive auf das Thema Radfahren notwendig?
Weil sich zu viele Männer mit dem Thema Mobilität beschäftigen und einen rein technischen Zugang zu haben scheinen. Frauen haben dabei eher einen politischen und ganzheitlichen Ansatz.

Frage: Welche Erfolge motivieren Dich, weiterzumachen?
Wenn ich selbst in Neukölln in manchen Straßenzügen mehr Radfahrende als Autos zähle.

Frage: Was macht Dir Deinen Einsatz besonders schwer?
Wenn ich sehe, mit wie viel Inkompetenz und Unwillen das Thema Fahrradinfrastruktur von der Verwaltung angegangen wird. Und engagierte Bürger*innen als Bittsteller*innen behandelt werden.

Frage: Wie sieht Deine Traumstadt aus?
Eine Stadt, wo klar ist, dass die aktiven Fortbewegungsarten den Vorzug und Vorrang haben, in der die Stärkeren auf Schwächeren Rücksicht nehmen und jedes andere Verhalten total uncool und verpönt ist. Diese Traumstadt hat weniger Platz für Autos und keine kostenlosen Autostellplätze – die meisten Parkhäuser in Berlin stehen leer. Es gibt mehr Platz für Fußgänger*innen. Die Kinder spielen wieder ohne Aufsicht auf der Straße. Es gibt eine Fahrradinfrastruktur, bei der man merkt, dass die von kompetenten Leuten geplant wurde.Und die Politik verfolgt mutig eine Vision der lebenswerten Stadt und setzt diese gemeinsam mit der Verwaltung auch um.